Bereits zum 13. Mal fand in diesem Jahr die re;publica in Berlin statt. Wir waren zum ersten Mal dabei und gespannt, was uns unter dem Motto „tl;dr“ (too long; didn´t read) erwarten wird. Drei Tage lang lauschten wir spannenden Vorträgen, Diskussionen und Workshops im Kreise der digitalen Gesellschaft. Ganz klar also, dass das Thema Digitalisierung hier im Fokus stand. Aber auch Themen wie Nachhaltigkeit, Bildung oder Politik fanden hier ihren Platz.

Wir präsentieren dir unsere 5 Learnings, die wir von der diesjährigen re;publica mitgenommen haben:

1) Kommunikation 4.0: Swipst Du schon oder tippst Du noch?

Nicht nur im Vortrag von Thomas Weigel, Chief Content Officer bei WISST IHR NOCH.DE, wurde darüber gesprochen, dass der Social Media Feed nicht mehr lange gefüttert wird. Stories gewinnen auf fast allen Plattformen immer mehr an Beliebtheit und somit auch an Bedeutung. Damit einher geht auch die neue Bedienweise: „Swipst Du schon oder tippst Du noch?“ war daher ein passender Untertitel für diesen Vortrag. Gerade die älteren Generationen stellt das vor eine Herausforderung, wohingegen Millennials und die Generationen X, Y und Z ganz natürlich auf dem Smartphone wischen und über Sprach- oder Videonachrichten kommunizieren.

2) Aufräumen im Trollhaus: Hetze und Gegenrede in Kommentarbereichen

Der Saal 2 war prall gefüllt mit über 600 Zuhörern, da das Thema viele Besucher der re;publica brennend interessierte. Auf der Bühne gab es neben den Ergebnissen zweier Studien, auch Einblicke in die Praxis. Juniorprofessor Marc Ziegele von der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf zeigte spannende Ergebnisse, die wir auch schon in unserer täglichen Arbeit erleben durften. Zum Beispiel zeigte er auf einer Chart das Problem der geringen Qualität der Diskussionen auf Nachrichtenseiten:
– 25 – 36 % Beleidigungen, Schimpfwörter und Herabwürdigungen
– 11 – 15 % Stereotype, Rassismus, Sexismus oder Gewaltandrohungen
– 27 – 35 % Off-Topic, irrelevant oder Whataboutism

Danach erläuterte Marc Ziegele wie es sich verhält wenn (Hass-)Kommentare moderiert werden. Es zeigte sich deutlich, dass moderierte Kommentare glimpflicher ausgehen als solche, die nicht moderiert werden. Dabei erkannte er vier Stile diskursiver Moderation:
– Diskutieren
– Erziehen
– Vergemeinschaften
– Konfrontieren

Einen Einblick wie man sich bei einem Shitstorm fühlt, gab Nicole Diekmann, die man als Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin kennt. Am Neujahrstag antwortete sie in ihrer saloppen Art etwas zu salopp und handelte sich einen nicht mehr endenden Shitstorm ein, dem sie versuchte Herr (bzw. Frau) zu werden.

3) Hauptsache hochkant? Journalismus und Storytelling auf Snapchat & Co.

Ist das noch Journalismus? So lautete die abschließende Frage eines Teilnehmers des Vortrages „Hauptsache hochkant? Journalismus und Storytelling auf Snapchat & Co.“ an Speakerin Angela Gruber, Projektleiterin bei Spiegel Online. Ihre Antwort kam promt: „Was sollte es sonst sein?“. Seit 2017 experimentiert ein junges Team aus Motion Designern und Redakteuren bei Spiegel Online mit Hochkant-Journalismus auf Snapchat. Über diese Plattform erreicht das Online-Magazin eine Zielgruppe, die der Verlag normalerweise nicht erreicht. An sieben Tagen die Woche wird hier eine junge, überwiegend weibliche Zielgruppe über die wichtigsten Geschehnisse aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft informiert – und das über im Durchschnitt 10 Sekunden lange Stories.

4) Influencer, ihre Manager und die Maschinerie dahinter

Lutz Frühbrodt ist Studiengangsleiter im Bereich Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und sprach auf der re;publica 2019 über die Maschinerei hinter den Influencern. Deren Aufgabe besteht nämlich schon lange nicht mehr nur darin, ein Produkt in einem Video anzupreisen. Merchandise, TV-Aufttritte oder Pop-up-Stores sind dabei nur einige To-Do’s auf der Liste des Influencers. Zur Unterstützung kommen daher häufig spezialisierte Agenturen und Medienunternehmen ins Spiel. Diese agieren meist hinter den Kulissen. Anfangs wurde hier oft mit sogenannten „Knebelverträgen“ gearbeitet. Mittlerweile achten die Influencer aber darauf, dass sie keine Exklusivverträge eingehen, um auch für mehrere Unternehmen interessant zu bleiben. Der Vortrag wurde mit der Frage: „Ist der Influencer-Hype bald vorbei?“ eingeleitet und Lutz Frühbrodt sagt eindeutig: „Nein!“. Jedoch geht der Trend hin zu Micro-Influencern, die ihre so wichtige Authentizität noch nicht an das 1.000ste Produkt verloren haben.

5) Insta kann mehr als Beauty!

Angelina, Clare, Farah und Naina sind das Team hinter dem erfolgreichen Instagram-Profil „Mädelsabende„. Jetzt mag man denken, dass es sich hier um ein weiteres Profil handelt, dass die klischeehaften Wünsche und Sorgen von jungen Frauen behandelt. Doch weit gefehlt. Mädelsabende beweist, dass Instagram mehr kann als nur Beauty. Themen sind hier z.B. Ausbildung, Aufklärung oder auch die erste Liebe. Dabei setzen sie auf persönliches Storytelling im Storiesformat. Aufgrund des Thementiefgangs und der Probleme und Wünsche junger Frauen entschied man sich für Instagram und nicht für Snapchat.